Mündliche Prüfer*in in der juristischen Staatsprüfung kann nur werden, wer bereits im Staatsdienst ist? Das stimmt nicht! In Baden-Württemberg kann jede Person Prüfer*in werden, die drei Jahre Berufserfahrung hat und in beiden juristischen Prüfungen insgesamt 18 Punkte oder mehr erzielt hat.

Warum ist Prüfer*in sein ein toller Job?

Wer Prüfer*in in Baden-Württemberg ist, leistet einen aktiven und wichtigen Beitrag in der Ausbildung der Juristen von morgen. Prüfer*innen übernehmen ein gutes Stück Verantwortung. Zudem ist der Job äußerst abwechslungsreich, denn mit jedem Prüfling gehen einzigartige Herausforderungen einher.

Warum Prüfer*in werden?

Je mehr Leute sich dazu entschließen Prüfer*in zu werden, desto diverser wird der Pool an Prüfer*innen auf die das LJPA zurückgreifen kann. Gerade an weiblichen Prüfer*innen besteht aktuell noch ein großer Mangel. Warum das ein Problem ist? Eine 2018 in NRW durchgeführte Studie hat ergeben, dass Frauen durchschnittlich 0,3 Punkte schlechter abschneiden als Männer und eine 17% niedrigere Rate an Prädikatsnoten hatten.
Die gemessenen Geschlechterunterschiede stiegen noch weiter an, wenn Abiturnote, Prüfungszeitraum und Alter gleich waren. Auch beim Erreichen der jeweils höheren Notenstufe im Vergleich zu Vornoten gab es Geschlechterunterschiede von 6%. Dieser Unterschied verschwand hingegen sofort, sobald nur eine weibliche Person im Prüfungsausschuss saß. Es fand eine fast vollständige Nivellierung der Geschlechterunterschiede statt. Ähnliche Ergebnisse ließen sich auch bei Menschen mit deutsch klingendem im Vergleich mit Menschen mit ausländisch klingenden Namen feststellen.

Es zeigt sich also: Ein diverser Prüfungsausschuss kann dabei helfen dem impliziten Bias entgegen zu wirken und fairere Prüfungsergebnisse für alle zu ermöglichen.

Was sind die Vorteile daran Prüfer*in zu sein?

Die Prüfer*innentätigkeit ist eine Nebentätigkeit und wird daher nach der Verwaltungsvorschrift des Justizministeriums über die Vergütung von nebenamtlichen und nebenberuflichen Prüfungstätigkeiten vom 25. März 2024 gesondert vergütet. Der Vergütungsrahmen wird sich ab dem 1. Januar 2025 ändern, dann ist die Vergütung wie folgt:

In der ersten juristischen Prüfung je Prüfling
bei Prüfungsvorsitz19,00 €
jedes weitere Mitglied13,60 €
In der zweiten juristischen Prüfung je Prüfling
Vorsitz ohne eigenes Prüfungsgespräch17,30 €
Vorsitz mit eigenem Prüfungsgespräch24,50 €
Vorsitz, Prüfungsgespräch und Berichterstattung27,40 €
jedes weitere Mitglied17,30 €
jedes weitere Mitglied mit Berichterstattung20,20 €

Wie wird man Prüfer*in?

Das LJPA ist immer auf der Suche nach geeigneten Prüfer*innen und freut sich auf mehr Leute, die Lust haben diesen spannenden und verantwortungsvollen Job zu übernehmen.
Wer die entsprechenden Vorraussetzungen erfüllt (mindestens 18 Punkte in beiden Examina in Summe und drei Jahre Berufserfahrung) muss sich lediglich an das LJPA wenden um dort die weiteren Schritte zu besprechen.

Hierfür reicht es, sich entweder bei Herrn Dr. Jens Hettich (jens.hettich@jum.bwl.de) oder bei Staatsanwalt Herrn Dr. Maximilian Mödinger (maximilian.moedinger@jum.bwl.de) zu melden.